Gespräch mit dem Investor

Nach einem Gespräch mit dem Investor am 6.3.2019 (seine Angaben kursiv, Gedächtnisprotokoll) und eigenen Recherchen, möchten wir Sie über die Anlage und die geplante Umsetzung informieren.

Der Niederländer Marten Tigchelaar hält in Pappendorf bei Nossen 1600 Sauen, die ca. dreimal im Jahr jeweils etwa 13 Ferkel werfen. Ohne Betäubung und bei vollem Bewusstsein werden die männlichen Ferkel bis sieben Tage nach der Geburt kastriert, die Schwänze kupiert und die Eckzähne abgeschliffen. Obwohl die Praxis ab 2021 verboten werden soll, will der Investor bis dahin daran festhalten. Nach drei Jahren Mutterschaft ist eine Sau wertlos. Im Alter von vier Wochen werden die Ferkel von der Mutter getrennt und kommen nach Stolpen in die Ferkelaufzuchtanlage. Nach 8 Wochen haben sie ein Gewicht von ca. 30 kg erreicht und werden zur Schweinemast nach Bayern oder NRW transportiert.

Durch dieses Rein-Raus-Prinzip werden so in Stolpen ca. 84.000 Ferkel pro Jahr „umgeschlagen“. Zum An- und Abtransport werden Sattelschlepper benötigt, die jeweils ca. 800 Tiere transportieren. Das ergibt ca. 200 Schwertransporte im Jahr, die vor allem zu Stoßzeiten verkehren. Weitere Transporte entstehen durch Futtermittelbedarf und Abtransport der Gülle. Die Ferkel werden auf engem Raum auf Betonspaltenböden gehalten, dies kann zu Beulen an den Gliedmaßen der Tiere und Verletzungen an den Klauen führen.

In den zwei Monaten ihres Aufenthaltes stehen die Tiere über ihrer eigenen Gülle. Atemwegserkrankungen sind eine Folge. Ein Graben durchzieht die Stallanlage, der nach jedem „Auszug“ geleert, gereinigt und desinfiziert wird. Gülle und Reinigungsmittel werden in ca. 9500 m3 großen Güllebehältern gesammelt, welche zwar Abdeckungen haben, aber nicht 100 % vor Gestank schützen. Die anfallende Gülle wird zusätzlich in unserer Region ausgebracht. Laut Investor ist dazu eine Fläche von ca. 300 ha notwendig, wovon er bereits 200 ha gepachtet bzw. gekauft hat, in Stürza, Helmsdorf und bei Fischbach.

Der größte Teil des Gestanks kommt aus den Ställen, weshalb eine Abluftanlage eingebaut werden soll. Die Landwirtschaft ist mit einem Anteil von etwa 95 Prozent Hauptemittent des Luftschadstoffs Ammoniak in Deutschland. Ammoniak selbst und das daraus entstehende Ammonium schädigen Land- und Wasserökosysteme durch Versauerung und Nährstoffanreicherung erheblich, was zu Veränderungen der Artenvielfalt führen kann. In der Umgebung von großen Tierhaltungsanlagen können Ammoniak-Emissionen besonders hoch sein und zu direkten Schäden an der Vegetation führen. Ammoniak und Ammonium sind außerdem wesentliche Vorläufersubstanzen für die Bildung von gesundheits-schädlichem Feinstaub. Die Abluftanlage soll die Luft von ca. 90 % der schädlichen Emissionen reinigen.

„Im Praxisbetrieb sehen die Ergebnisse oft anders aus“, schreibt das Agrar-Fachmagazin „top agrar“. Die Anlagen sind sehr teuer und aufwändig, die Unterhaltskosten für Energie und Entsorgung des Schlemmwassers sind enorm und viele Störquellen verringern die Wirksamkeit. Eine Abluftanlage ist also keine Garantie für einen emissionsfreien Schweinestall. Die Anlage hat Bestandsschutz für knapp 5.000 Mastschweine, die nach drei Monaten schlachtreif werden. Der Investor sagte ganz klar: „Wenn ich die Ferkelaufzucht für 14.000 Tieren nicht bauen darf, kommen die Mastschweine rein. Aber dann ohne Abluftanlage.“ Was sagt uns das über das von ihm geäußerte Interesse am Tierwohl, sowie unser aller Lebensqualität und Gesundheit?

Globale Konsequenzen

Mit großem Energieaufwand, Futterimporten aus Übersee und Massentierhaltung wird ein globalisierter Weltmarkt für Schweinefleisch erzeugt. Während weltweit junge Menschen für besseren Klimaschutz streiken, steigt auch durch die industrielle Landwirtschaft der Anteil der Treibhausgase Methan und CO2 in der Atmosphäre. Die Futtermittelproduktion für die Massentierhaltung erfordert Landflächen, die nur durch weitere Entwaldung gewonnen werden kann. Dies beschleunigt den Klimawandel. Nur mit Soja, das aus den vernichteten Regenwaldgebieten Amazoniens stammt, kann der Tierbestand Deutschlands überhaupt gehalten werden. Auch die in der Massentierhaltung erforderlichen Antibiotika führen zu weltweit zunehmenden Antibiotikaresistenzen. Dadurch wird die Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten erschwert.

In Deutschland werden ca. 8,2 Mio. Tonnen Schweinefleisch produziert (120% über dem Eigenbedarf), davon 2,9 Mio. Tonnen exportiert. Zudem verenden jährlich in Deutschland 13,7 Millionen Schweine oder müssen notgeschlachtet werden, weil sie in Mastbetrieben oder beim Transport leiden.

Jeder Deutsche isst ca. 60 kg Fleisch im Jahr, davon 36 kg Schweine-fleisch. Setzen wir uns für eine tiergerechte Landwirtschaft ein, die auf Qualität achtet, unsere Umwelt erhält und auf den heimischen Markt setzt.